Vom Abschied zu Neubeginn - die Geschichte hinter Rollin'Art 2.0

Eigentlich hätte ich vor ein paar Monaten nicht gedacht, dass ich diesen Blogpost jemals schreiben würde. Denn die Entscheidung war gefallen: Rollin’Art wird schließen.

Und damit meinte ich damals auch wirklich schließen. Es war keine Pause geplant, kein großer Relaunch und schon gar kein „Wir sagen jetzt einmal, dass wir aufhören und schauen dann, was passiert“. Für mich war dieses Kapitel nach all den Jahren tatsächlich zu Ende.

Diese Entscheidung ist mir unglaublich schwergefallen, denn Rollin’Art ist so eng mit meinem eigenen Leben verbunden, dass man das eine vom anderen kaum trennen kann. Aus meinen ersten Zeichnungen ist irgendwann diese Marke entstanden, daraus ein Unternehmen, eine Manufaktur und vor allem ein Team aus wunderbaren Menschen. Rollin’Art war über viele Jahre ein riesengroßer Teil meines Lebens und natürlich auch ein großer Traum, den ich gemeinsam mit vielen Menschen leben durfte.

Trotzdem war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich wusste, dass es so für mich nicht mehr weitergehen kann und ich etwas verändern muss. Also habe ich die Entscheidung getroffen, Rollin’Art zu schließen, und irgendwann kam dieser unglaublich schwere Moment, an dem ich euch davon erzählen musste.

Und dann kam etwas, womit ich niemals gerechnet hätte

Was nach der Bekanntgabe unserer Schließung passiert ist, hat mich wirklich überwältigt. Ich wusste natürlich, dass wir viele treue Kundinnen und Kunden haben und dass einige von euch Rollin’Art schon sehr lange begleiten. Aber diese Welle an Wertschätzung, die uns plötzlich entgegenkam, hatte ich so nicht erwartet.

Ihr habt uns geschrieben, angerufen, kommentiert und uns persönlich angesprochen. Manche von euch haben mir erzählt, wie lange euch bestimmte Rollin’Art Produkte schon begleiten, welche Bedeutung ein Bild oder eine Botschaft für euch hat oder wem ihr über die Jahre unsere Produkte geschenkt habt. Da waren Geschichten von Freundschaften, Geburtstagen und schönen Erinnerungen dabei, aber auch Geschichten von Krankheit, Verlust, schwierigen Lebensphasen und Momenten, in denen ein kleiner Mutmacher offenbar genau zur richtigen Zeit gekommen ist.

Und dann waren da natürlich auch die unglaublich vielen Bestellungen.

Ich möchte das ganz bewusst erwähnen, weil es ein wichtiger Teil der Geschichte ist und weil ich nichts beschönigen möchte: Diese Bestellungen haben uns wirtschaftlich enorm geholfen. Ihr habt in einer für uns sehr schwierigen Situation bestellt, weiterempfohlen, geteilt und uns damit ganz konkret unterstützt. Dafür bin ich bis heute unglaublich dankbar.

Gleichzeitig ist in diesen Wochen aber noch etwas anderes passiert. Durch all eure Nachrichten und Geschichten habe ich Rollin’Art plötzlich wieder ein Stück weit durch eure Augen gesehen. Ich habe gemerkt, dass diese Marke für viele Menschen offenbar mehr geworden ist als einfach ein Ort, an dem man eine Tasse, eine Fußmatte oder ein Geschenk kauft.

Und genau das hat etwas in mir ausgelöst.

Die Entscheidung war getroffen und trotzdem begann ich wieder nachzudenken

Ich möchte auch hier ehrlich sein: Es war nicht so, dass ich nach ein paar lieben Nachrichten plötzlich dachte: „Super, dann machen wir einfach weiter.“ Dafür waren die Gründe, warum ich mich für die Schließung entschieden hatte, viel zu real.

Aber ich begann, mir eine andere Frage zu stellen. Nicht, wie wir Rollin’Art irgendwie retten oder genauso weitermachen könnten wie bisher, sondern ob es vielleicht einen anderen Weg geben könnte.

Einen Weg, der sich wieder richtig anfühlt.

Ich habe in dieser Zeit sehr viel darüber nachgedacht, was Rollin’Art eigentlich einmal war, warum ich damit angefangen habe und was davon über die Jahre vielleicht ein bisschen verloren gegangen ist. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass ich nicht einfach zurück zu dem wollte, was vorher war.

Wenn Rollin’Art noch einmal eine Chance bekommt, dann möchte ich diese Chance nutzen, um einiges anders zu machen.

Und genau daraus ist langsam die Idee von Rollin’Art 2.0 entstanden.

Warum Rollin’Art für mich nie nur Deko war

Rollin’Art ist über die Jahre gewachsen, und darauf bin ich unglaublich stolz. Aus meinen Zeichnungen wurden die ersten Produkte, aus ein paar Produkten wurden immer mehr, unser Team ist gewachsen und aus einer kleinen Idee wurde irgendwann ein richtiges Unternehmen.

Mit diesem Wachstum kam aber auch immer mehr dazu. Mehr Produkte, mehr Projekte, mehr Entscheidungen, mehr Verantwortung und natürlich auch der wirtschaftliche Druck, den ein Unternehmen mit sich bringt. Man ist irgendwann so sehr damit beschäftigt, Dinge am Laufen zu halten, dass die Frage, warum man das alles eigentlich einmal angefangen hat, im Alltag ziemlich leise werden kann.

Die vergangenen Monate haben mich gezwungen, genau zu dieser Frage zurückzukehren.

Wenn ich heute auf Rollin’Art schaue, sehe ich nämlich nicht einfach nur Produkte. Natürlich verkaufen wir Tassen, Thermosflaschen, Fußmatten, Schmeichelsteine, Geschenke und viele andere Dinge. Aber das allein war nie der Grund, warum ich Rollin’Art machen wollte.

Ich denke an die Tasse, aus der jemand jeden Morgen seinen Kaffee trinkt und deren Botschaft vielleicht manchmal genau im richtigen Moment guttut. Ich denke an einen kleinen Schmeichelstein, den jemand in der Tasche mitnimmt, weil gerade ein schwieriger Termin bevorsteht oder ein bisschen Mut fehlt. Ich denke an ein Geschenk für eine Freundin, die Mama oder einen anderen Herzensmenschen, mit dem man etwas sagen kann, wofür einem selbst vielleicht gerade die richtigen Worte fehlen.

Und genauso denke ich an die ganz normalen Alltagsprodukte, die gar keine große Geschichte erzählen müssen. Manchmal reicht es vollkommen, wenn eine Thermosflasche, ein Becher oder eine Fußmatte einfach Freude macht und man jedes Mal kurz lächeln muss, wenn man sie sieht.

Nicht jedes Produkt muss die Welt verändern. Aber vielleicht kann es einen kleinen Moment ein bisschen schöner machen.

Und genau darin steckt für mich sehr viel Rollin’Art.

Es muss nicht immer mehr sein

Eine Erkenntnis hat mich in den vergangenen Monaten besonders beschäftigt: Wir leben in einer Welt, in der es sehr oft um mehr geht. Mehr schaffen, mehr erreichen, schneller wachsen, größer werden, noch ein Projekt, noch eine Idee und noch ein Ziel.

Ich habe selbst lange so funktioniert und irgendwann gemerkt, wie müde dieses ständige „Mehr“ machen kann.

Vielleicht muss es gar nicht immer mehr sein. Vielleicht darf manches auch einfach kleiner, bewusster und leichter werden.

Das bedeutet für mich nicht, dass wir keine großen Träume mehr haben oder dass wir nicht wachsen möchten. Ganz im Gegenteil. Ich habe unglaublich viele Ideen und richtig Lust auf das, was jetzt kommt. Aber ich möchte nicht mehr jeder Idee hinterherlaufen, nur weil man sie umsetzen könnte. Ich möchte wieder öfter innehalten und mich fragen, ob etwas wirklich zu uns passt und ob es einen Platz in der Rollin’Art Welt verdient.

Denn am Ende sind es im Leben doch erstaunlich oft die kleinen Dinge, die uns wirklich guttun: eine Tasse Tee in Ruhe, Sonne im Gesicht, ein ehrliches Gespräch mit einem Menschen, den man gernhat, ein Lieblingslied im Auto, gemeinsames Lachen oder dieser eine Satz, der uns genau an einem schwierigen Tag erreicht.

Ich glaube, dass Glück sehr oft genau dort passiert – nicht in den ganz großen Momenten, auf die wir ständig warten, sondern irgendwo mittendrin im normalen Leben.

Und für genau diese Momente möchte ich Rollin’Art wieder stärker machen.

Rollin’Art 2.0 bedeutet für mich nicht, alles neu zu machen

Eigentlich fühlt es sich sogar ein bisschen wie das Gegenteil an. Ich möchte wieder näher an das heran, wofür Rollin’Art in meinem Herzen schon immer gestanden hat: Lebensfreude, Mut, Zuversicht, Kreativität und Miteinander.

Ich möchte wieder mehr zeichnen und mehr Raum für Kreativität haben. Ich möchte Produkte entwickeln, bei denen wir nicht zuerst überlegen, ob wir noch eine weitere Produktkategorie brauchen, sondern bei denen wir das Gefühl haben: Ja, genau das möchten wir in die Welt bringen.

Ich möchte Geschichten erzählen und Gedanken mit euch teilen. Ich möchte, dass unsere Website nicht einfach nur ein Onlineshop ist, sondern auch ein Ort wird, an dem man vielleicht einen Gedanken entdeckt, der guttut, eine kreative Idee findet oder einfach ein paar Minuten gerne verbringt.

Und gleichzeitig möchte ich auch nicht so tun, als müsste ab jetzt jedes Produkt eine tiefgründige Lebensweisheit transportieren. Rollin’Art darf weiterhin kunterbunt sein, Spaß machen und manchmal einfach nur schön sein. Auch Leichtigkeit, Humor und Freude haben ihren Platz – vielleicht heute sogar mehr denn je.

Glück bedeutet für mich nicht, dass immer alles gut ist

Dieser Gedanke ist mir besonders wichtig, weil ich mit Rollin’Art niemals vermitteln möchte, dass wir nur positiv denken müssen und dann wird schon alles gut.

So funktioniert das Leben nicht, und mein eigenes Leben hat mir das sehr deutlich gezeigt.

Es gibt wunderschöne Zeiten und es gibt Zeiten, in denen das Leben richtig wehtut. Es gibt Dinge, die wir beeinflussen können, und andere, die innerhalb weniger Sekunden alles verändern, ohne dass wir gefragt werden. Es gibt Tage, an denen wir vor Lebensfreude sprühen, und Tage, an denen es vollkommen in Ordnung ist, einfach nur irgendwie durchzukommen.

Vielleicht bedeutet Glück deshalb gar nicht, immer glücklich zu sein. Für mich bedeutet es heute viel mehr, die schönen Momente wahrnehmen zu können, obwohl ich weiß, dass das Leben auch andere Seiten hat.

Und Zuversicht bedeutet für mich nicht, alles schönzureden. Manchmal bedeutet sie einfach nur, darauf zu vertrauen, dass nach einem richtig heftigen Gewitter irgendwann wieder irgendwo ein kleiner Lichtblick auftauchen kann.

Genau deshalb sind mir diese kleinen Lichtblicke so wichtig geworden.

Nicht weil ich glaube, dass das Leben immer bunt und leicht ist, sondern gerade weil ich weiß, dass es das nicht ist.

Ohne euch würde es dieses neue Kapitel nicht geben

Denn ohne das, was nach unserer angekündigten Schließung passiert ist, würde Rollin’Art heute nicht vor diesem Neubeginn stehen.

Eure Nachrichten und Geschichten haben mich emotional unglaublich berührt, und eure Bestellungen haben uns ganz konkret dabei geholfen, überhaupt wieder Möglichkeiten zu sehen, wo vorher für mich keine mehr waren.

Ich möchte deshalb auch, dass ihr wisst, was eine Bestellung bei Rollin’Art tatsächlich bedeutet. Dahinter steht kein anonymer Konzern und kein riesiges Lager irgendwo auf der Welt. Dahinter stehen Menschen hier in Tirol, die gestalten, drucken, personalisieren, verpacken, organisieren, Ideen entwickeln und jeden Tag daran arbeiten, dass aus meinen Zeichnungen und unseren Ideen echte Herzensstücke werden.

Wenn ihr bei uns bestellt, unterstützt ihr damit dieses Team, unsere Manufaktur und letztlich auch diesen ziemlich verrückten Traum, den wir noch einmal weiterträumen dürfen.

Das ist etwas, das ich nach den vergangenen Monaten ganz bestimmt nicht mehr als selbstverständlich ansehen werde.

Und jetzt beginnt tatsächlich ein neues Kapitel

Am 1. September öffnen wir unseren Onlineshop wieder.

Wenn mir das jemand vor einigen Monaten gesagt hätte, hätte ich es wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. Umso besonderer fühlt sich dieser Moment jetzt an.

Natürlich bin ich aufgeregt. Ich habe unglaublich viel Vorfreude, sehr viele Ideen und gleichzeitig auch Respekt davor, was vor uns liegt. Rollin’Art 2.0 wird sicher nicht vom ersten Tag an perfekt sein, und wahrscheinlich werden wir unterwegs Dinge ausprobieren, verändern und manchmal auch feststellen, dass etwas doch nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben.

Aber vielleicht ist genau das auch Teil dieses neuen Kapitels.

Ich weiß heute nicht, wo Rollin’Art in ein paar Jahren stehen wird. Was ich aber wieder sehr genau weiß, ist, warum ich möchte, dass es Rollin’Art gibt.

Ich möchte weiterhin Dinge gestalten, die Freude machen, Menschen miteinander verbinden oder im richtigen Moment ein bisschen Mut schenken. Ich möchte wieder mehr kreativ sein, Geschichten erzählen, Neues ausprobieren und gleichzeitig viel bewusster darauf achten, was wirklich zu uns passt.

Vor allem aber möchte ich nie wieder vergessen, dass hinter all dem Menschen stehen. Mein Team, meine Familie, unsere Partnerinnen und Partner und natürlich ihr, die Rollin’Art teilweise schon seit vielen Jahren begleitet.

Dass wir heute überhaupt noch einmal hier stehen und sagen können „Wir sind wieder da“, ist für mich alles andere als selbstverständlich.

Deshalb möchte ich zum Schluss eigentlich nur eines sagen:

DANKE.

Danke für eure unglaubliche Wertschätzung in den vergangenen Monaten, für jede Nachricht, jedes persönliche Gespräch, jede Weiterempfehlung und jede einzelne Bestellung. Danke, dass ihr uns gezeigt habt, was Rollin’Art für euch bedeutet, und danke, dass ihr uns die Möglichkeit gegeben habt, noch einmal neu darüber nachzudenken, was Rollin’Art sein kann.

Ich freue mich unglaublich auf das, was jetzt kommt. Nicht auf ein größeres, schnelleres oder perfekteres Rollin’Art, sondern auf eines, das sich wieder mehr nach uns anfühlt.

Auf Rollin’Art 2.0, auf ein neues Kapitel und auf ganz viele kleine Lichtblicke, die irgendwo dazwischen auf uns warten. 💛

Alles Liebe,
deine Tina

Tina Hötzendorfer