Was tun, wenn gerade alles zu viel wird?

Kennst du diese Tage, an denen eigentlich gar nicht die eine große Katastrophe passiert ist und trotzdem plötzlich alles zu viel scheint?

Die unbeantworteten Nachrichten, die Arbeit, der Haushalt, Termine, Menschen, die etwas von einem brauchen, Dinge, die man schon längst erledigen wollte, und irgendwo dazwischen noch der Anspruch, sich gesund zu ernähren, Sport zu machen, genügend zu schlafen und natürlich auch ein bisschen „Me-Time“ einzuplanen.

Allein beim Lesen wird man schon müde.

Manchmal ist unser Kopf einfach voll. Und dann braucht es nicht unbedingt die nächste Morgenroutine, eine neue To-do-App oder sieben Tipps, wie wir unser Leben noch effizienter organisieren können.

Manchmal brauchen wir einfach weniger.

Du musst nicht alles heute lösen

Wenn alles gleichzeitig in unserem Kopf herumfliegt, fühlt sich plötzlich auch alles gleich wichtig an. Die E-Mail, die beantwortet werden sollte, steht gedanklich direkt neben einer großen Lebensentscheidung und dem Wäschekorb, der seit drei Tagen darauf wartet, endlich weggeräumt zu werden.

Vielleicht hilft dann eine ganz einfache Frage:

Was davon muss wirklich heute passieren?

Nicht: Was wäre schön erledigt zu haben? Nicht: Was würde mein perfektes, organisiertes Ich heute alles schaffen?

Sondern wirklich: Was muss heute sein?

Oft wird die Liste dadurch überraschend kurz. Und alles andere darf morgen noch da sein.

Mach die Welt für einen Moment ein bisschen kleiner

Wenn der Kopf überall gleichzeitig ist, kann es guttun, den Radius für einen Moment ganz bewusst zu verkleinern.
Nicht die ganze Woche. Nicht das Projekt. Nicht die nächsten zehn Entscheidungen.
Nur die nächsten zehn Minuten.

Mach dir etwas zu trinken. Öffne ein Fenster. Setz dich kurz hin. Geh eine kleine Runde spazieren. Iss etwas. Dusche. Leg das Handy weg oder mach einfach für ein paar Minuten gar nichts.

Du musst in diesen zehn Minuten nichts an deinem Leben verbessern.
Es geht nur darum, kurz wieder dort anzukommen, wo du gerade bist.

Nicht jede Nachricht braucht sofort eine Antwort

Wir sind mittlerweile so daran gewöhnt, ständig erreichbar zu sein, dass eine unbeantwortete Nachricht manchmal schon wie eine offene Aufgabe im Kopf herumliegt.

Aber du darfst später antworten.

Du darfst dein Handy auf lautlos stellen. Du darfst einen Anruf nicht annehmen, wenn du gerade keine Energie für ein Gespräch hast. Und du musst nicht jede freie Minute nutzen, um noch schnell irgendetwas zu erledigen.

Nicht erreichbar zu sein bedeutet nicht automatisch, unhöflich oder unzuverlässig zu sein. Manchmal bedeutet es einfach, dass du gerade eine Pause brauchst.

Vielleicht kannst du heute etwas streichen

Wenn wir überfordert sind, überlegen wir meistens, wie wir alles schaffen können.
Vielleicht ist die bessere Frage manchmal:

Was davon muss ich überhaupt machen?

Kann ein Termin verschoben werden? Kann jemand anderes etwas übernehmen? Muss das Abendessen heute wirklich frisch gekocht sein? Muss die Wohnung aufgeräumt werden? Muss dieses Projekt heute noch perfekt werden?

Wir unterschätzen oft, wie viel Erleichterung ein bewusstes „Heute nicht“ bringen kann.

Mach etwas, das keinen Zweck erfüllen muss

Viele Dinge, die wir zur Entspannung machen, werden erstaunlich schnell wieder zur Aufgabe.

Meditieren, weil es gesund ist. Sport, weil wir ihn machen sollten. Lesen, weil wir weniger Bildschirmzeit haben möchten. Spazieren gehen, weil wir unsere Schritte erreichen wollen.

Vielleicht darfst du heute etwas machen, nur weil du Lust darauf hast.

Musik hören. Malen. Eine Serie schauen. Backen. Zehn Minuten in der Sonne sitzen. Mit jemandem telefonieren, bei dem du dich wohlfühlst. Oder um neun Uhr ins Bett gehen.

Es muss nichts bringen. Es darf einfach guttun.

Du darfst jemanden brauchen

Nicht alles müssen wir alleine mit uns selbst ausmachen.
Manchmal hilft ein Gespräch mit einem Menschen, dem wir vertrauen. Und manchmal müssen wir dabei noch nicht einmal nach einer Lösung suchen.

Vielleicht reicht ein ehrliches:

„Mir ist gerade alles ein bisschen zu viel.“

Es kann unglaublich entlastend sein, nicht erklären zu müssen, warum man gerade nicht alles im Griff hat.

Und wenn das Gefühl, dass alles zu viel ist, länger anhält oder dich im Alltag stark belastet, darf Unterstützung natürlich auch über Familie und Freundschaften hinausgehen. Sich Hilfe zu holen ist kein Scheitern.

Und wenn heute einfach kein guter Tag wird?

Dann vielleicht nicht. Nicht jeder Tag muss gerettet werden.

Manche Tage dürfen einfach vorbeigehen, ohne dass wir noch versuchen, am Abend eine besonders wertvolle Erkenntnis daraus mitzunehmen.

Mach heute nur das, was wirklich notwendig ist. Sei ein bisschen freundlicher zu dir selbst. Lass liegen, was liegen bleiben kann.

Und vielleicht fragst du dich nur:

Was würde diesen Tag gerade um fünf Prozent leichter machen?

Nicht perfekt. Nicht wunderbar. Nicht komplett anders.
Nur ein kleines bisschen leichter.

Manchmal ist genau das genug. 💛

Tina Hötzendorfer