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„Kann ich noch Kinder bekommen?“

Über 13 Jahre ist mein Unfall nun her. Damals, am 03.02.2008 um ca. 09:15 Uhr habe ich mir bei einem Sturz beim Snowboarden den 6. Halswirbel gebrochen und bin seither querschnittsgelähmt. Ich bin Tetraplegikerin. Was eine hohe Querschnittslähmung im Bereich der Halswirbelsäule bedeutet.  Betroffen ist der Großteil meines Körpers. Beine, Rumpf, Arme, Finger, Atmung, Verdauung, Temperaturregulierung, Schmerzempfinden, Blutdruck… Eine lange Liste.

„Kann ich noch Kinder bekommen?“ war so ziemlich die erste Frage, die ich den Ärzten damals stellte, als ich auf der Intensivstation aufwachte und mir meine Diagnose mitgeteilt wurde. Ich war zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre jung. Von einem Moment auf den anderen hat sich alles geändert. Das Leben auf den Kopf gestellt. Die lange Liste der Tetraplegie gehört seither zu meinem Leben.

Und es ist ein gutes Leben. Ein Leben mit Auf und Abs – so wie bei jedem anderen Menschen auch. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Das Schöne, das Positive und das Glücklichmachende stärken mich. Graue Tage, Sturm und Gewitter lasse ich vorüberziehen, mit dem Wissen, dass irgendwann wieder die Sonne zum Vorschein kommt. 

Seit meinem Unfall bin ich kein anderer Mensch. Ich habe nur sehr viel gelernt. Über mich, meinen Körper und das Leben. Die letzten 13 Jahre haben mich stark gemacht. Mutiger, gelassener und zufriedener.

Gute Voraussetzungen für alles, was da noch kommen mag. Denn ja, ich kann noch Kinder bekommen. Ein kleines Wunder wächst gerade in mir heran und ich könnte glücklicher nicht sein.

Es gibt nicht viele Mütter mit einer hohen Querschnittslähmung. Deshalb möchte ich meine Geschichte hier auf meinem Blog niederschreiben und so vielleicht anderen Frauen Mut machen, Zuversicht geben und auch Aufklärungsarbeit leisten.

Der kleine Mensch unter meinem Herzen ist gerade etwa so groß wie eine Birne. Ich bin in der 15. Schwangerschaftswoche. Das Baby lutscht schon an seinem Daumen, schmeckt das Essen über die Nabelschnur und die ersten Haare wachsen. Es ist unglaublich, ein wahres Wunder. Ich kann schon die ersten Bewegungen wahrnehmen und mein Gefühlsleben ist nicht in Worte zu fassen.

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Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, fuhren meine Emotionen Achterbahn. Eine Mischung aus Angst, Freude, Panik, Glück und Fassungslosigkeit.

Als querschnittsgelähmte Frau kann man auf ganz natürliche Weise schwanger werden. Es ist auch keine Risikoschwangerschaft. Trotzdem war es zunächst herausfordernd für mich, es zuzulassen, mich über diese Nachricht so richtig zu freuen. Aber jetzt ist da nur noch Liebe. Und Zuversicht.

Im Internet habe ich viel über Schwangerschaft und Querschnittslähmung recherchiert. Ich weiß nun, worauf ich achten muss, was sein könnte und stehe im Austausch mit anderen Rolli-Mamas. Das hilft.

Und mir geht es gut. Meine Schwangerschaft ist unkompliziert. Hie und da ist mir übel, ich habe sehr seltsame Gelüste und mein Kreislauf ist nicht superfit, aber das wars schon. Und so soll es weiter gehen. Voraussichtlich gegen Ende des Jahres wird unser Baby auf die Welt kommen. Per Kaiserschnitt. Und dann bin ich mal gespannt, ob ich mein Atelier in Zukunft teilen muss.

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